Album Rezension zu Meske & Hankinson: „Favourites“ Volume One - Selbstbewusstes Duo interpretiert Evergreens

Veröffentlicht am 6. September 2026 um 20:51

Vorab: Das Album ist ein Genuss! Das Duo aus Pianist und Arrangeur Paul Hankinson und Sängerin und Songwriterin Bettina Meske besitzt das Selbstbewusstsein, Jazz-Standards und Welthits neu zu interpretieren.

Ich habe die Hintergründe der Songs recherchiert, um sie für mich einzuordnen, aber ich bin keine Jazz-Kennerin und werde mir nicht anmaßen, Begriffe wie Bend und Drop richtig anzuwenden. Meine Eindrücke sind die einer guten Zuhörerin, die selbst etwas singt. 

Foto ©Meske & Hankinson/Shane Thomas Millan

Titel 1. „Downtown“ (Tony Hatch 1964) wird mit spielerischer Leichtigkeit, Understatement und dann wieder rauen Akzenten interpretiert, am Ende erklingt ein eindringliches Vibrato.

Titel 2. Der Welthit „Moon River“ (Henry Mancini und Johnny Mercer 1961) wirkt unprätentiös, das Textverständnis scheint im Vordergrund. Bettina Meskes charakteristischer Mezzo-Sopran klingt soulig und doch strahlend.

Titel 3. In „Someone to Watch Over Me“ (George Gershwin und Ira Gershwin 1926 für das Musical “Oh, Kay!”) zieht Meske die Töne wunderbar lang bis Belt. Das Ganze wirkt wie ein souliges Lounge-Gespräch mit Hankinson am Piano.

Titel 4. Der Evergreen „Blue Moon“ (Richard Rodgers M und Lorenz Hart 1933) wird soft mit Wärme und hellen Soulelementen interpretiert und klingt swingend aus.

Titel 5 „Volare“ (eigentlich: „Nel blu, dipinto di blu“, Domenico Modugno und Franco Migliacci 1958): Let’s fly. Voller Leichtigkeit macht Meske in ihrer Interpretation erst das federleichte Fliegen-wollen und dann erdiger die irdische himmelblaue Liebe deutlich, bei der „volare“ kleiner mit niedlichen Stakkato-Schritten daherkommt.

Titel 6 In „My Funny Valentine“ (Richard Rodgers und Lorenz Hart 1937 für das Musical „Babes in Arms”) schlägt nicht nur das Piano dunkle Moll-Töne an, fast klagend und die Tiefen auslotend kommt die Interpretation daher, hat nur wenig helle Momente und klingt wieder mit den Moll-Tönen aus.

Titel 7 „Blue Velvet“ (Bernie Wayne und Lee Morris 1950) wird wahrhaft samtig und zärtlich gesungen.

Titel 8 Die Jazz-Nummer „Dream a Little Dream of Me“ (Fabian Andre und Wilbur Schwandt und Gus Kahn 1931) kommt leicht swingend daher, dazwischen immer mal nachdenkliches Innehalten, und hat ein sehnsuchtsvolles Ende.

Titel 9 „True Love“ (Cole Porter 1956) ist eine wunderschöne Ballade über „Wahre Liebe“, die hier geradezu herbeigerufen wird. Es mischen sich sehnsuchtsvolles Storytelling und darunter leicht begleitend das Pianospiel. Das Duo gibt der kleinen Ballade viel Tiefe, speziell durch die Rauheit im letzten „Love Forever True“.

Titel 10 Welch ein Kontrast der in 1990ern entstandene Bob Dylan-Rock-Song Make You Feel My Love“ ( Boby Dylan 1997) über all das, was er/sie tut, um seine Liebe zu zeigen, den Pianist und Sängerin kraftvoll und ausdrucksvoll interpretieren, soulig, aber voller Leichtigkeit, in der Haltung positiv.

Titel 11 Bei „What a Difference a Day Made” (Maria Grever und Stanley Adams 1934) gibt es eine soulige Interpretation des Jazz-Hits mit Ziehen der Töne und Gleiten zwischen den Tönen.

Titel 12 Der lebenskluge Pop-Song „Que Sera, Sera“ (Ray Evans und Jay Livingston 1956) macht den Abschluss der 12 Songs des Albums. Der Titel swingt hier geradezu im Piano-Spiel von Hankinson und erhält etwas Gültiges mit der Erkenntnis: Die Zukunft liegt nicht in unserer Hand. 

Barbara Kern

Foto ©Meske & Hankinson/Shane Thomas Millan

Foto ©Meske & Hankinson