ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT – DAS MUSICAL Stage Operettenhaus Hamburg

Veröffentlicht am 23. März 2026 um 14:05

„McFly und Doc Brown landen gezielt in Hamburg“ – Der Kultfilm als deutsche Erstaufführung auf der Musical-Bühne!

Die Vorstellung, mit einem DeLorean durch die Zeit und in die 50er-Jahre zu reisen – mitten in die Welt von Rock ’n’ Roll, Petticoats und jugendlicher Rebellion – begeisterte bereits Millionen von Kinozuschauern. Kaum zu glauben, dass Bob Gale und Robert Zemeckis damals über 40 Absagen erhielten, bevor ihr Filmprojekt überhaupt grünes Licht bekam. Nach zahlreichen Absagen wurde das Projekt schließlich von Steven Spielbergs Amblin Entertainment produziert – der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die über Jahrzehnte anhielt. Die Trilogie spielte weltweit fast eine Milliarde Dollar ein und wurde zum Kult.

Die Uraufführung von „Zurück in die Zukunft – Das Musical“ fand 2020 im Manchester Opera House statt, bevor die Inszenierung 2021 ans Londoner West End wechselte. 2022 wurde sie mit dem Olivier Award und dem WhatsOnStage Award als bestes neues Musical ausgezeichnet. Produktionen am Broadway sowie in Sydney und Tokio machten „ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT – Das Musical“ zu einem internationalen Publikumsmagneten. Zudem ist die Show auf dem Kreuzfahrtschiff „Star of the Seas“ zu erleben und tourt aktuell durch Nordamerika. Ab Herbst ist die Show auch noch bei einer UK-Tour und an weiteren Tourstandorten in Europa zu sehen. Der weltweite Erfolg unterstreicht die zeitlose Popularität des Kultfilms, der 2025 sein 40-jähriges Jubiläum feierte.

Auch in Hamburg schafft die Produktion Großes: das Gefühl, in einem Kinosessel zu sitzen und den Film noch einmal in ganz neuer Form zu erleben. Der 80er-Jahre-Charme verschmilzt mit modernster Bühnentechnik und die Geschichte von Marty McFly erhält so eine neue Dynamik. Das Operettenhaus und die Outfits der Mitarbeiter wurden extra passend zum Stück in Szene gesetzt und überall sieht man Menschen in weißen Professorenkitteln herumlaufen. Top!

Die Geschichte entfaltet sich rund um den 17-jährigen Marty McFly (wahnsinnig lange und oft auf der Bühne und großartig performt von Raphael Groß), einen Träumer aus dem Jahr 1985, dessen größter Wunsch eine Karriere als Rockstar ist. Sein Leben nimmt eine dramatische Wendung, als er Zeuge der neuesten Erfindung seines exzentrischen Mentors Doc Brown (herrlich wild: Jan Kersjes) wird: einer Zeitmaschine in Form eines DeLoreans. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände findet sich Marty plötzlich im Jahr 1955 wieder – einer Zeit, in der seine Eltern noch selbst die Schulbank drücken.

Die Reise in die Vergangenheit wird für Marty schnell zum Überlebenskampf. Versehentlich verhindert er die erste Begegnung seiner Eltern George (mit holländischem Touch, aber witzig gespielt von Terence van der Loo) und Lorraine (Sandra Leitner, die sehr leidenschaftlich dabei ist). Das Problem: Lorraine verliebt sich nicht in den schüchternen George, sondern in ihren eigenen Sohn aus der Zukunft. Marty muss nun nicht nur einen Weg zurück in seine Zeit finden, sondern auch noch Amor in der Vergangenheit spielen. Sollte es ihm nicht gelingen, seine Eltern auf dem „Verzauberung unter dem See“-Ball zusammenzubringen, würde er seine eigene Existenz auslöschen.

Während Marty versucht, die Familienchronik zu retten, tüftelt der junge Doc Brown von 1955 an einer technischen Lösung für die Heimreise. Da dem DeLorean der Treibstoff fehlt, bleibt nur eine Hoffnung: die gewaltige Energie eines Blitzeinschlags in die Rathausuhr. Das Musical gipfelt in einem technisch brillanten Finale, das die Zuschauer mit dem Gefühl einfängt, wirklich Teil dieser Zeitreise zu sein!

Musikalisch bleibt man eng an der Vorlage von Robert Zemeckis; die ergänzte Partitur kommt jedoch eher beliebig und ohne Ohrwurm daher. Ikonische Hits wie „The Power of Love“ und „Johnny B. Goode“ bescheren jedoch manchem Besucher nostalgische Gefühle. Die Band unter der Leitung von Philip Gras performt mit solider Kraft; der Sound (Gareth Owen) war auf einigen Plätzen, zumindest in der besuchten Vorstellung, schon eher grenzwertig ohrenbetäubend und wenig differenziert ausgesteuert. Persönlich würde ich mir bei Vorstellungen dieser Preisklasse einen fürs Ohr angenehmeren Klang wünschen und habe diesen auch schon im Operettenhaus mehrfach erlebt und gelobt. Bei „Zurück in die Zukunft“ ist, was den Sound und den Klang angeht, leider noch etwas Luft nach oben.

Marty McFly (Raphael Groß) und Doc Brown (Jan Kersjes) werfen sich die Bälle in einer atemberaubenden und sehr unterhaltsamen Geschwindigkeit zu, und auch die Übersetzungen der Texte von Heiko Wohlgemuth machen Spaß. Die Regie von John Rando führt ebenso flott wie der Film durch Zeitzonen, Orte und Spielmomente; die Anschlüsse und Übergänge sind fließend. Das Bühnenbild und die gesamte Ausstattung sind detailverliebt und es gibt immer etwas zu sehen, wie z. B. die vielen Uhren, der leuchtende Fluxkompensator (korrigiert von Fluchs-), die Gemälde von Einstein und anderen Wissenschaftlern und natürlich der DeLorean. Das Bühnenbild arbeitet mit einem Mix aus festen Elementen und einer Videowand im Hintergrund (Finn Ross).

Tim Hatley hat nicht nur die Bühnenelemente geschaffen, sondern auch fantastische Kostüme entworfen – der glitzernde Anzug von Doc Brown ist einfach legendär! In der zweiten Hälfte nimmt die Produktion so richtig an Fahrt auf und man nähert sich dem Highlight der Vorstellung. Durch all die kleinen Tricks, die durch Illusions-Designer Chris Fisher und das Team rund um die Visual Special Effects von The Twin FX entworfen wurden, kommt man zeitweise aus dem Staunen nicht heraus.

Die Dance-Arrangements von David Chase platzieren das Ensemble immer wieder neu, und mit dem gelungenen Make-up und den zauberhaften Perücken von Campbell Young Associates sieht diese Hamburger Besetzung mehr als hervorragend aus!

Das Ergebnis ist eine nostalgische Achterbahnfahrt, die beweist: Wo Marty und Doc Brown hinfahren, braucht es keine Straßen – sondern nur 1,21 Gigawatt und eine Menge Herz. Für Fans dieses Kultklassikers und Fans vergangener Zeiten lohnt sich die Zeitreise nach Hamburg allemal – auch in der Zukunft!

Stefan Schön

 

BESETZUNG vom 21.03.2026, 19:00 Uhr


Marty McFly, Raphael Gross
Doc Brown, Jan Kersjes
Lorraine Baines, Sandra Leitner
George McFly, Terrence van der Loo
Bif Tannen, Florian Sigmund
Goldie Wilson/Marvin Berry, Hope Maine
Strickland Sigmar Tonk
Jennifer Parker, Sonya Lachmann
Clocktower Woman, Julia Fechter
Dave McFly, Michiel Janssens
Linda McFly, Teresa Krall

Indy Luna Correa, Louise Newson, Nicola Reeves, Sony
Lachmann, Flavio Marullo, Michiel Janssens, Samuel Hoi Ming Chung, Sacha Setubun,
Paolo Ciferri, Benjamin Dupoont Igens
In weiteren Rollen: Marko Formanek, Teresa Krall, Indy Correa, Camilla Esposito, Julia
Fechter, Sonya Lachmann, Nicole Reeves, Samuel Chung, Sacha Setubun, Benjamin
Igens, Paolo Ciferri, Flavio Marullo, Michiel Janssens, Charles Mitchell, Denys Magda,
Matteo Vigna, Eiko Keller, Louise Newson, Lisa Neitzke, Brooke Ramsay, Grace Simmons

Peter und der Wolf von St. Pauli – ein musikalischer Krimi und ein Genuss für die Ohren

Vom trockenen Wald zur feuchten Muschi: Peter und der Wolf von St. Pauli verführt mit einem Ohrenschmaus ganz ohne Frack!

Auf dem Hamburger Kiez treiben sich so einige zwielichtige Gestalten herum, doch auf der anderen Seite begegnet man dort auch Menschen mit viel Herz und der gesamten Bandbreite der Gesellschaft.

„Frack off! Zwei Welten“ nennt sich das erste große Kooperationsprojekt zwischen dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg und dem Schmidt Theater. Es verschmilzt den Klassiker „Peter und der Wolf“ von Sergej Prokofjew aus dem Jahr 1936 mit einem realen Kriminalfall von St. Pauli. In dieser nicht jugendfreien Version stehen die Instrumente nicht mehr für Tiere, sondern für Kiezgrößen und Milieu-Stimmungen. Die Kreativen haben hier etwas Wunderbares geschaffen: Die Verquickung von Ludentalk und echtem Polizeireport mit klassischer Musik. Und dann dieses Traumorchester! Ein Klang, der durch Mark und Bein geht. Während Omer Meir Wellber das Orchester normalerweise mit großer Hingabe dirigiert, wurde er in der besuchten Vorstellung krankheitsbedingt durch Tohar Gil ersetzt, der ebenfalls mit viel Charme leitete und auch am Akkordeon begeisterte.

Anstatt eines unschuldigen Jungen im Wald steht an diesem Abend der Auftragsmörder Werner „Mucki“ Pinzner im Mittelpunkt. Axel Brüggemann, der auch das Buch schrieb, führt als Polizist durch die Kriminalakte. Das Ganze spielt im düsteren St. Pauli der 80er-Jahre, geprägt von Kokain, Heroin und dem brutalen Verdrängungskrieg der Zuhälter-Banden. Pinzner wird musikalisch als der „Wolf“ inszeniert, der nach Anerkennung im Milieu giert, diese aber nie ganz erreicht.

Man erlebt Pinzners Aufstieg zum berüchtigten Killer, seine Taten im Auftrag der „Luden“ und seine fatale Beziehung zu seiner Frau Jutta (Caroline Spieß). Caroline Spieß agiert als Erzählerin und Zeugin gewohnt herzlich und repräsentiert die „gebrochenen Seelen des Kiezes“. Ihre Texte trieben manch einer Dame im Saal die Schamesröte ins Gesicht – besonders, wenn es unverblümt um „ihre Muschi und sein hartes Hörnchen“ ging.

Durch sie erlebt das Publikum die emotionale Seite des brutalen Milieus. Besonders vor der Pause, wenn sie singt, taucht das Orchester in weltliche Musik ein und bricht stilistisch bewusst mit dem Original.

Historisch hielt sich das Stück eng an die Fakten: Jutta Pinzner schmuggelte die Mordwaffe, einen Arminius-Revolver, in das Hamburger Polizeipräsidium – vermutlich in ihrem Slip, da sie als Ehefrau damals weniger streng kontrolliert wurde als die Anwältin. Während der Vernehmung am 29. Juli 1986 erschoss Werner Pinzner zuerst den Staatsanwalt Wolfgang Bistry, dann seine Frau und schließlich sich selbst. Diese Tat wird im Stück als Pinzners inszenierter „Exitus Triumphalis“ thematisiert.

Die Premiere am 01.03.2026 war ein voller Erfolg; auch die weiteren Vorstellungen waren komplett ausverkauft. Der musikalische Genuss ließ die Säulen des Schmidt Tivoli und die Herzen der Zuschauer vibrieren. Es war schlichtweg fantastisch! Viele Besucher äußerten den Wunsch, öfter „den Frack auszuziehen“, um klassische Musik für eine breitere Masse erlebbar zu machen.

Diese Neuinterpretation war nicht nur ein Hörgenuss, sondern ein perfekter Abend. Der Weg vom Wald auf den Kiez hat sich definitiv gelohnt – eine Wiederholung ist absolut wünschenswert!


Stefan Schön