PETER UND DER WOLF VON ST.PAULI

Veröffentlicht am 27. März 2026 um 14:20

Vom trockenen Wald zur feuchten Muschi – Peter und der Wolf von St. Pauli verführt mit einem Ohrenschmaus ganz ohne Frack!

Auf dem Hamburger Kiez treiben sich so einige zwielichtige Gestalten herum, auf der anderen Seite verkehren dort aber auch Menschen mit viel Herz und natürlich die gesamte Bandbreite einer Gesellschaft.

„Frack off! Zwei Welten- nennt sich das erste große Projekt einer Kooperation zwischen dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg und dem Hamburger Schmidt Theater und verschmelzt den Klassiker „Peter und der Wolf“ von Sergej Prokofjew aus dem Jahre 1936 mit einem echten Kriminalfall von St. Pauli. Eine nicht jugendfreie Version von Peter und der Wolf, wo im Original Tiere durch Musikinstrumente dargestellt werden und jetzt in dieser Version die Instrumente für Kiezgrößen und Stimmungen stehen. Die Kreativen haben mit diesem Projekt etwas Wunderbares geschaffen: Die Verquickung von Ludentalk mit einem realen Krimi und einem realen Polizeireport mit klassischer Musik. Und dann dieses Traumorchester und dieser Klang der durch und durch in Mark und Bein geht! Omer Meir Wellber dirigiert das Orchester mit großer Hingabe, in der besuchten Vorstellung wurde er krankheitsbedingt durch Tohar Gil ersetzt, der ebenfalls mit viel Charme dirigierte und auch am Akkordeon begeisterte.

Anstatt eines unschuldigen Jungen im Wald steht an diesem Abend der reale Auftragsmörder Werner „Mucki“ Pinzner im Mittelpunkt und ein Polizist gespielt von Axel Brüggemann der auch das Buch schrieb, führt durch die Kriminalakte. Das Ganze spielt im düsteren St. Pauli, geprägt von Kokain, Heroin und einem brutalen Verdrängungskrieg zwischen den Zuhälter-Banden.

Pinzner wird musikalisch, als der „Wolf“ inszeniert, der nach Anerkennung im Milieu giert, diese aber nie ganz bekommt.

Man erlebt Pinzners Aufstieg zum berüchtigten Killer, seine Taten im Auftrag der „Luden“ und seine fatale Beziehung zu seiner Frau Jutta (Caroline Spieß). Caroline Spieß agiert als Erzählerin und Zeugin gewohnt herzlich und repräsentiert so auch die „gebrochenen Seelen des Kiezes“. Ihre Texte treiben so manch einer Dame an diesem Abend die Schamesröte ins Gesicht, wenn es um ihre Muschi und sein hartes Hörnchen ging…-

Durch sie erlebt das Publikum die emotionale Seite des brutalen Milieus, besonders vor der Pause wo sie auch singt und das Orchester in weltliche Musik eintaucht und mit dem Original noch einmal auch stilistisch bricht.

Jutta Pinzner schmuggelte die Mordwaffe, einen Arminius-Revolver, in das Hamburger Polizeipräsidium. Dies geschah vermutlich in ihrem Slip oder unter ihrer Kleidung, da sie damals als Ehefrau weniger streng kontrolliert wurde als die Anwältin.

Während der Vernehmung am 29. Juli 1986 erschoss Werner Pinzner zuerst den Staatsanwalt Wolfgang Bistry, dann seine Frau Jutta und schließlich sich selbst. Diese Tat wird im Stück als Pinzners inszenierter „Exitus Triumphalis“ thematisiert, bei dem Jutta bis zum letzten Moment an seiner Seite blieb.

Die Premiere am 01.03.2026 war ein voller Erfolg und auch die anderen Vorstellungen waren komplett ausverkauft und begeisterten die Hamburger Zuschauer. Der musikalische Hörgenuss an diesem Abend ließ die Säulen des Schmidt Tivoli und die Herzen vibrieren und es war einfach nur fantastisch!

Ich hörte viele Besucher im Saal sagen, dass sie es einfach begrüßen würden, wenn öfters der Frack ausgezogen würde, um so klassische Musik für eine breitere Masse erlebbar zu machen.

Diese Neuinterpretation von Peter und der Wolf war nicht nur ein Hör- Genuss, sondern ein perfekter Abend und der Weg vom Wald auf den Kiez hat sich gelohnt! Wiederholung wünschenswert!

 

Stefan Schön

 

Kreativteam

Künstlerische Leitung & Konzeption, Buch                                          Axel Brüggemann

Musikalische Leitung                                                                                Omer Meir Wellber, in der gesehenen Vorstellung: Tohar Gil

Hausherr / Kreativer Kopf Schmidt Theater                                         Corny Littmann

Künstlerischer Leiter                                                                                Martin Lingnau

Orchesterdirektorin                                                                                  Tessa Beecken

KBB Koodination                                                                                        Tessa Müller

 

 

Besetzung:

Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg

Dirigent (Eingesprungen)                                                                             Hossein Pishkar

Jutta Pinzner                                                                                                     Carolin Spieß

Erzähler / Polizist                                                                                            Axel Brüggemann