"What a Feeling!" im Kleinen Haus des Staatstheaters Wiesbaden

Veröffentlicht am 5. Juni 2026 um 10:34

Musical Gala zu Ehren von Iris Limbarths 25-jähriger Leitung des Jungen Staatsmusicals

„What a Feeling!“ erfüllte am 24. Mai 2026 das Kleine Haus des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden. Passender hätte der Titel für die besondere Gala zu Ehren von Regisseurin und Choreographin Iris Limbarth nicht sein können. Showblöcke aus ihren Musical-Produktionen der letzten 25 Jahre (Bühnenbild: Britta Lammers, Kostüme: Heike Korn) – darunter aus der aktuellen Inszenierung von „Jekyll & Hyde“ (mit einer grandiosen Denia Gilberg als Lucy), aus „Sister Act“, „Die 3 Musketiere“, „Chicago“, „Flashdance“, „Fame“ bis hin zu „Hair“, „Der kleine Horrorladen“, „Rent“, „Copacabana“ und „Jesus Christ Superstar“ – wechselten sich ab mit Kurzinterviews auf dem Roten Sofa. Letzteres dürfte der ein oder andere Theaterbesucher aus der Produktion von „Chicago“ (2022) kennen.

Das Ensemble des Jungen Staatsmusicals, verstärkt durch Ehemalige, ehrte seine Leiterin Iris Limbarth in einem zweistündigen, vor Energie sprühenden Programm ohne Pause (das an diesem Tag bereits zum zweiten Mal stattfand). Mit ihren Leistungen in Gesang, Schauspiel und Tanz, ob solistisch oder im Ensemble, bezeugten die Mitglieder des „Jungen Staatsmusicals“ (bis 2014/15 Jugendclub-Theater), welch hohes Niveau die Musical-Theaternachwuchsarbeit am Staatstheater Wiesbaden in den vergangenen Jahren erreicht hat.

Seit mehr als 25 Jahren betreut Iris Limbarth mit ganzem Herzen als Regisseurin und Choreographin die Produktionen des „Jungen Staatsmusicals“ und setzt sich leidenschaftlich und – wenn nötig – auch kämpferisch für die Nachwuchsförderung ein. Für ihr Engagement wurde sie 2022 sogar mit dem Sonderpreis der Deutschen Musical Akademie ausgezeichnet. Inzwischen erhalten ihre Inszenierungen ein weiteres Leben an der Emsländischen Freilichtbühne Meppen, für die Iris Limbarth seit 2023 die Intendanz und künstlerische Leitung übernommen hat. In diesem Jahr ist dort neben dem Familienmusical „Der Räuber Hotzenplotz – Eine musikalische Gaunerjagd“ (Martin Lingnau & Heiko Wohlgemuth, nach Otfried Preußler) die Produktion „Footloose“ zu sehen. Zudem ist sie als freie Regisseurin an zahlreichen deutschen Stadttheatern gefragt.

Iris Limbarth kam mit 14 Jahren als Ballettelevin ans Haus und absolvierte nach dem Abitur hier in Wiesbaden auch ihre Bühnenreife. Im 1987/1988 von Intendant Claus Leininger und dem leitenden Schauspiel-Dramaturgen Dr. Michael Winrich Schlicht gegründeten Jugendclub-Theater wirkte sie zunächst als Darstellerin, später als Choreographin unter der Leitung von Reinhardt Friese (1990–2000) mit. Mit der Spielzeit 2000/2001 übernahm sie selbst die Leitung, und ihre Arbeiten wurden weit über Wiesbaden hinaus bekannt. In Zusammenarbeit mit den Gewerken des Theaters gibt sie jungen Menschen die Möglichkeit, sich als Sänger, Tänzer und Schauspieler in einem professionellen Rahmen auszuprobieren, Bühnenluft zu schnuppern und im Rampenlicht zu stehen.

Im Interview auf dem Roten Sofa betonte Iris Limbarth, dass sie den jungen Menschen mit ihrer ganzheitlichen Bühnenarbeit einen Sinn für Gerechtigkeit und ein sie tragendes Gemeinschaftsgefühl mitgeben möchte. Sie versteht ihre Arbeit als Herzensbildung. Von den Musicalautoren wünscht sich die Regisseurin mehr Stückvorlagen aus der Lebenswirklichkeit ihrer Schüler, wie beispielsweise „Superhero“ (Paul Graham Brown & Anthony McCarten, für dessen Regie und Choreografie Limbarth gleich doppelt für den Deutschen Musical Theater Preis nominiert war) oder „Fack ju Göhte“, das am 14. Juni zum vorerst letzten Mal im Kleinen Haus zu sehen ist. Zudem wünscht sie sich mehr Stücke für Frauen. Das und mehr erfuhr das Publikum im ersten der sechs Interviews auf dem Roten Sofa, die Moderator Klaus Krückemeyer mit viel Witz führte. Er ist ehemaliges Ensemblemitglied und weithin bekannt als Schauspieler, Entertainer, Hörfunk- und Synchronsprecher sowie ein gern gesehener Gast auf der Bühne des Hessischen Staatstheaters.

Weitere Ehemalige gaben ihrer Lehrerin die Ehre und sprachen darüber, was sie aus ihrer Wiesbadener Zeit mitgenommen haben. Nina Links (Schauspielerin und Musicaldarstellerin, freie Übersetzerin bei Musik & Bühne) betonte, dass sie neben ihrer ersten persönlichen Bühnenerfahrung und dem Gemeinschaftsgefühl gelernt habe, wie aufwändig eine Musicalproduktion ist, welche große Leistung all die Gewerke dabei erbringen. Gemeinsam mit den Gastsolisten Louisa Heiser und Florian Claus besang sie zudem die ‚Seasons of Love‘ („Rent“), wünschte sich als Audrey das kleine Haus ‚Im Grünen Irgendwo‘ („Der kleine Horrorladen“) und beschwor das Zeitalter des ‚Aquarius‘ („Hair“).

Für Louisa Heiser (Musicaldarstellerin) fühlte sich die Arbeit mit dem jetzigen Ensemble wie ein Nachhausekommen an. Sie war glücklich wieder ein Teil davon zu sein. Das zeigte sie in ihrer Paraderolle als Deloris im Titelsong von „Sister Act“ und mit dem strahlenden ‚Lasst die Liebe herein‘ („Sister Act“). Als Aretha in ‚Think‘ („Blues Brothers“) bewies sie nochmals ihre soulige Stimmkraft.

Überall treffe man am Theater oder auf Premierenpartys auf Absolventen der Wiesbadener Nachwuchsschmiede. Wir brannten voller Leidenschaft neben unserem eigentlichen Job oder Studium für die Arbeit auf der Bühne, betonte Patrick L. Schmitz (Schauspieler, Entertainer, Musicaldarsteller, Synchronsprecher), der in Iris Limbarths erster Inszenierung als Judas in „Jesus Christ Superstar“ auf der Bühne stand und im Konzert noch einmal stimmgewaltig in diese Rolle zurückkehrte. ‚Dies ist die Stunde‘ verkündete er in der janusköpfigen Titelrolle von „Jekyll & Hyde“ und berührte mit ‚Jetzt hast du Seymour‘. Dann drehte er den Spieß um und ließ den Tausendsassa Klaus Krückemeyer zu Wort kommen, der 2003 erstmals in „Fame“ die Rolle des Joe Vegas spielte und nun im ‚Copacabana-Finale‘ den Charmeur und Entertainer gab.

Florian Claus (Musicaldarsteller und voXXclub-Mitglied) brachte auf dem Roten Sofa zum Ausdruck, dass man bei Iris Limbarth Disziplin gelernt habe und wie wichtig es ist, sich aufeinander verlassen zu können. Nach dem berührenden Liebeslied des Collins ‚I’ll Cover You‘ aus „Rent“ brachte er gemeinsam mit Leonard Linzer mit ‚Soulman‘ im letzten Showblock ein denkwürdiges Revival der „Blues Brothers“ auf die Bühne – das eine Zugabe verlangte und bekam. Linzer, der jüngste Ehemalige auf dem Roten Sofa, stand in 11 Produktionen des Jungen Staatsmusicals auf der Bühne und studiert derzeit noch in Essen Musical. Er zeigte an diesem Abend aus „Fame“ mit ‚Tanzen ist mein Leben‘ zusammen mit Solist Tim Speckhardt sein tänzerisches Können und berührte mit einer Solopartie in ‚Seasons of Love‘ („Rent“).

Die Begeisterung und die Standing Ovations galten dem großen Engagement des Ensembles. In den letzten 10 Wochen hieß es nicht nur, vergangene Inszenierungen wieder aufzufrischen, sondern auch unbekannte Positionen und Rollen einzustudieren. Hier gilt der Respekt insbesondere zwei langjährigen Mitgliedern: Viktoria Reese übernahm die choreographische Einstudierung und brillierte in der Gala zusammen mit dem starken Ensemble als Velma Kelly in ‚All that Jazz‘ („Chicago“), um kurz darauf in dem Frauen-Trio ‚Wer kann schon ohne Liebe sein‘ („Die 3 Musketiere“) zu berühren. Der Dank für die musikalische Einstudierung gebührt Tim Speckhardt der an diesem Abend neben Ensemblepositionen sein Tanztalent in ‚Tanzen ist mein Leben‘ („Fame“) zeigte und mit dem anspruchsvollen Solo ‚Engel aus Kristall‘ („Die 3 Musketiere“) zu erleben war. Beide wurden vom Ensemble mit zwei großen Blumensträußen überrascht.

Dann wurde es zum Ende des Abends noch einmal sehr emotional: Das Ensemble bedankte sich bei seiner Leiterin mit einem persönlichen Geschenk. 2464 Einzelfotos aus ihren Inszenierungen der letzten Jahre sind Teil eines Mosaikbilds, das Iris Limbarth bei der Verleihung des Deutschen Musical Theater Preises für ihre Nachwuchsarbeit zeigt. Nicht zuletzt dank der großartigen Leistung und spürbarer Musizierfreude der 11-köpfigen Live-Band unter Leitung von Frank Bangert ging mit diesem emotionalen Moment die gelungene, musikalische Ehrung von Iris Limbarths Engagement zu Ende. Wir gratulieren und freuen uns auf die nächsten Jahre!

Barbara Kern

What a Feeling!

Konzept & Choreographie: Iris Limbarth
Musikalische Leitung: Frank Bangert
Bühnenbild: Britta Lammers
Kostüme: Heike Korn

Musikalische Einstudierung: Tim Speckhardt
Choreographische Einstudierung: Viktoria Reese
Choreographische Assistenz: Angelina Krauß, Lilli Trosien

Moderation: Klaus Krückemeyer

Musical-Gäste
Florian Claus, Louisa Heiser, Klaus Krückemeyer, Nina Links, Leonard Linzer, Patrick L. Schmitz

Junges Staatsmusical
Anastasia Bechtold, Marei Bär, Emma Fähndrich, Karyna Fedorko, Denia Gilberg, Nis Hansen, Lars Hofmann, Timur Hökelekli, Angelina Krauß, Zoe Krawinkel, Luna Lange, Matthew Laszlo von Pokorny, Anna Priester, Victoria Pfitzner, Viktoria Resse, Jan Rieß, Jan Riewe, Meike Roth, Tim Speckhardt, Achim Ströde, Winta Tewelde, Lilli Trosien, Jan Volpert, Alissa Volk, Leonie Willms, Melodi Yurtsever.

Band
Ulrich Bareiss, Frank Bangert, Joachim Braun, Holger Dietz, Lisa Giebel, Florentin Heinrich, Clara Holzapfel, Patrick Hoss, Jens Hunstein, Eduardo Sabella, Claus Weyrauther