"Something Rotten!" in Bad Hersfeld 2026: Ein Omelett gegen Shakespeare - Musical - Rezension der Festspiele

Veröffentlicht am 12. August 2026 um 09:54

Das Ensemble von "Something Rotten!" auf der Bühne der Stifstruine
Foto: ©BHF/Johannes Schembs

„Something Rotten!“ bei den Bad Hersfelder Festspielen ist eine herrlich übermütige Liebeserklärung an das Theater – und ein mutiges Ausrufezeichen im Jubiläumsjahr!

Manchmal genügt bereits ein erster Auftritt, um zu wissen, welche Regeln für einen Theaterabend gelten werden. Bei „Something Rotten!“ lautet die wichtigste Regel: bei dieser deutschsprachigen Deutschlandpremiere (Die deutschsprachige Erstaufführung fand 2024 am Landestheater Linz statt) ist beinahe alles erlaubt.

William Shakespeare darf sich wie ein Rockstar feiern lassen. Zwei erfolglose Autoren dürfen glauben, dass ausgerechnet ein Omelett ihr Weg zum Weltruhm sein könnte. Puritaner entdecken sehr weltliche Regungen, Dichter beginnen zu steppen, und das Musical selbst wird liebevoll auseinandergenommen, während man es zugleich mit erstaunlicher Leidenschaft feiert.

Schon auf dem Weg zur Stiftsruine war spürbar, dass diese Vorstellung auf großes Interesse stößt. Die Aufführung am 11. August 2026 war komplett ausverkauft. Das Publikum kam mit unterschiedlichen Erwartungen: Die einen kannten das Stück oder einzelne Ausschnitte bereits, andere ließen sich allein vom Versprechen des „lustigsten Musicals seit 400 Jahren“ nach Bad Hersfeld locken.

Ich selbst war vor allem neugierig darauf, wie sich diese sehr amerikanische Broadwaykomödie in der monumentalen Kulisse der Bad Hersfelder Stiftsruine behaupten würde. Denn „Something Rotten!“ ist kein Musical, das sich vorsichtig an sein Publikum herantastet. Es fordert Aufmerksamkeit, Lust am Unsinn und die Bereitschaft, sich auf eine nahezu ununterbrochene Folge aus Wortspielen, Musicalzitaten, Slapstick und tänzerischem Überschwang einzulassen.

Genau darin liegt das Wagnis – und zugleich der besondere Reiz dieser Produktion.

Die Stiftsruine Bad Hersfeld
Foto: ©Stefan Huebsch

Zwei Brüder im Schatten eines Genies

Die Handlung führt zurück in das London des Jahres 1595. Nick (spielerisch und gesanglich wunderbar Christopher Bolam) und Nigel Bottom (ebenso stark Benjamin Sommerfeld) versuchen, sich als Autoren und Theatermacher über Wasser zu halten. Talent und Leidenschaft sind vorhanden, nur der große Erfolg bleibt aus. Das liegt nicht zuletzt an einem Konkurrenten, dessen Name über allem schwebt: William Shakespeare (großartig und vielseitig Riccardo Greco).

Während die Bottom-Brüder um jede neue Idee ringen, wird Shakespeare gefeiert, verehrt und nahezu vergöttert. Er ist nicht nur Dichter, sondern das kulturelle Großereignis seiner Zeit. Seine Anhänger empfangen ihn wie einen Popstar, und er selbst scheint keinen Augenblick daran zu zweifeln, dass diese Bewunderung vollkommen berechtigt ist.

Nick Bottom hält diesen Zustand nicht länger aus. Er möchte Shakespeare nicht nur einholen, sondern übertreffen. Also sucht er Rat bei Nancy Nostradamus (witzig und stark Gayle Tufts), der Nichte des berühmten französischen Sehers. Nancy besitzt brauchbare Wahrsager - Fähigkeiten – allerdings mit gewissen Empfangsstörungen.

Sie sieht eine Zukunft voraus, in der Schauspieler mitten im Satz zu singen beginnen, Gefühle durch Tanz ausdrücken und Geschichten mit großen Schlussnoten, Wiederholungen und effektvollen Formationen erzählen. Sie nennt dieses merkwürdige neue Gebilde: Musical.

Noch folgenreicher ist ihre Vorhersage über Shakespeares größten zukünftigen Erfolg. Statt „Hamlet“ versteht Nancy allerdings „Omelett“. Nick lässt sich von dieser geringfügigen Abweichung nicht beirren. Wenn er Shakespeare schlagen will, muss er eben das erste Musical der Theatergeschichte schreiben – und dieses Musical wird von Eiern handeln.

So entsteht „Omelett – Das Musical“.

Tempo, Übertreibung und kontrollierter Wahnsinn 

Allein diese Idee ist so herrlich absurd, dass sie entweder grandios scheitern oder zu einem rauschhaften Theatervergnügen werden kann. Regisseur Matthias Davids entscheidet sich mit großer Konsequenz für die zweite Möglichkeit.
Matthias Davids begegnet dem Stück und seinen Charakteren ganz direkt und seine Regie sucht das Tempo, die Übertreibung und den kontrollierten Wahnsinn.

Das ist wichtig, denn „Something Rotten!“ würde sofort in sich zusammenfallen, sobald sich jemand für den eigenen Unsinn entschuldigte. Eine Musicalnummer über Eier funktioniert nur, wenn sie mit derselben Ernsthaftigkeit präsentiert wird wie ein dramatisches Finale. Ein Shakespeare als eitler Renaissance-Rockstar entfaltet seine Wirkung nur dann, wenn er selbst vollkommen von seiner Bedeutung überzeugt ist.

Die Inszenierung gönnt dem Publikum kaum eine Verschnaufpause. Pointen folgen auf Wortspiele, daraus entstehen Tanznummern, und irgendwo im Hintergrund entwickelt sich häufig noch eine kleine Nebenszene. Man weiß mitunter kaum, wohin man zuerst schauen soll.

Nicht jede Pointe besitzt dieselbe Feinheit. Manche ist klug gebaut, andere kommt mit ordentlich Anlauf und sichtbarer Absicht. Einige Anspielungen erkennen nur Menschen, die viele Jahre ihres Lebens in Musicaltheatern verbracht haben. Andere funktionieren unmittelbar über Körpersprache, Situation oder Slapstick.

Gerade diese Mischung macht den Abend zugänglich. Man muss nicht jedes Zitat entschlüsseln, um Lachen zu können. Wer sich allerdings mit „Les Misérables“, „Cats“, „Cabaret“, „A Chorus Line“, „West Side Story“, „Elisabeth“, „Tanz der Vampire“, „Starlight Express“, „Das Phantom der Oper“ oder „Der König der Löwen“ auskennt, wird immer wieder vertraute Bewegungen, musikalische Wendungen und Bilder entdecken. Lustig auch die Anspielung mit der Kutschfahrt auf Rollen ("Starlight Express")

Großartige Darsteller 

Christopher Bolam spielt Nick Bottom als ehrgeizigen Theatermacher, der sich zunehmend in seinem Wunsch nach Anerkennung verbeißt. Nick ist neidisch, großspurig und gelegentlich ungerecht. Dennoch verliert Bolam nie den verletzlichen Menschen hinter dieser Fassade aus Selbstbewusstsein.

Dieser Nick möchte nicht einfach nur erfolgreich sein. Er möchte endlich gesehen werden. Darin liegt eine sehr menschliche Seite der Figur. Fast jeder kennt das Gefühl, sich anzustrengen und dennoch im Schatten eines anderen zu stehen. Bei Nick wächst daraus allerdings eine Besessenheit, die ihn immer weiter von den Menschen entfernt, die tatsächlich an ihn glauben.

Bolam verbindet komödiantisches Timing mit stimmlicher Sicherheit und einer enormen körperlichen Präsenz. Er trägt einen großen Teil des Abends und muss dabei ständig zwischen Verzweiflung, Größenwahn und echtem Gefühl wechseln.

Benjamin Sommerfeld gestaltet Nigel Bottom als Gegenpol zu seinem älteren Bruder. Nigel ist zurückhaltender, empfindsamer und vermutlich der begabtere Dichter. Während Nick nach dem sicheren Erfolgsrezept sucht, schreibt Nigel aus einem inneren Bedürfnis heraus. Ihn interessiert nicht nur, was sich verkaufen lässt, sondern was Sprache ausdrücken kann.

Sommerfeld verleiht Nigel eine angenehme Wärme und Natürlichkeit. Besonders in den gemeinsamen Szenen mit Portia (großartig Valerie Luksch) entstehen ruhigere Augenblicke, in denen sich der Abend nicht allein auf seine nächste Pointe verlässt.

Valerie Luksch spielt Portia mit Charme, Begeisterung und einer erfrischenden Direktheit. Portia liebt Gedichte mit einer Leidenschaft, die sie beinahe selbst zu einem Groupie der elisabethanischen Literaturszene macht. Ihre Verbindung zu Nigel trägt deutliche Züge von „Romeo und Julia“, wird aber nie nur zur Parodie. Zwischen den beiden entsteht eine Liebesgeschichte, die dem überdrehten Geschehen ein emotionales Zentrum gibt. Herrlich wie erregt beide agieren, wenn sie sich gegenseitig Gedichte rezitieren.

Nigel Bottom (Benjamin Sommerfeld) und Portia (Valerie Luksch) verlieren sich in Poesie
Foto: ©BHF/Johannes Schembs

Johanna Zett (ebenfalls stark und vielseitig) gibt Bea, Nicks Ehefrau, viel Kraft, Humor und Bodenständigkeit. Während ihr Mann vom großen Durchbruch träumt, versucht Bea, das gemeinsame Leben praktisch zusammenzuhalten. Sie übernimmt Arbeiten, die nach damaliger Vorstellung Männern vorbehalten sind, und beweist dabei regelmäßig, dass sie den Herren in vielen Dingen überlegen ist.

Bea ist keine Frau, die lediglich geduldig auf ihren Mann wartet. Sie mischt sich ein, trifft Entscheidungen und treibt die Handlung voran. Johanna Zett spielt sie temperamentvoll, ohne ihre verletzliche Seite zu verlieren. Denn hinter aller Entschlossenheit steht auch die Enttäuschung darüber, dass Nick seinen Ehrgeiz zeitweise wichtiger nimmt als ihre Beziehung.

Zu den Figuren, auf deren Erscheinen man sich nach kurzer Zeit geradezu freut, gehört Nancy Nostradamus. Gayle Tufts macht aus der Wahrsagerin eine exzentrische Erscheinung, die irgendwo zwischen großer Visionärin, zweifelhafter Jahrmarktsattraktion und amerikanischer Entertainerin angesiedelt ist.

Tufts besitzt die seltene Fähigkeit, eine Pointe nicht zu überstürzen. Sie setzt einen Blick, lässt eine Pause entstehen und wartet, bis das Publikum genau dort angekommen ist, wo sie es haben möchte. Ihre unverwechselbare Sprachmelodie und ihr trockener Humor passen ausgezeichnet zu einer Frau, die die Zukunft zwar erkennen kann, aber bei entscheidenden Einzelheiten gelegentlich danebenliegt.

Dass aus „Hamlet“ ein „Omelett“ wird, ist nur das berühmteste Beispiel ihrer begrenzten prophetischen Genauigkeit. Umso größer ist Nancys Begeisterung, wenn sie das Musical der Zukunft beschreibt. Menschen werden singen, obwohl ein gesprochenes Wort vollkommen ausreichend wäre. Sie werden ihre Aussagen in Refrains wiederholen. Und irgendwann wird irgendjemand anfangen zu steppen. In diesen Szenen nimmt sich das Musical selbst auf wunderbar liebevolle Weise auseinander. Alles, was Anhänger des Genres schätzen, erscheint plötzlich vollkommen absurd – und zugleich unwiderstehlich.

Nancy Nostradamus (Gayle Tufts, Mitte) mit Ensemble und Nick Bottom (Christopher Bolam, vorne links)
Foto: ©BHF/Johannes Schembs

Riccardo Greco betritt die Bühne nicht einfach als William Shakespeare. Er erscheint als Ereignis. 

Sein Shakespeare trägt den Ruhm wie ein maßgeschneidertes Kleidungsstück. Er genießt die Bewunderung seiner Anhänger, kultiviert die eigene Pose und weiß offenbar jederzeit, welche Wirkung ein Blick, eine Bewegung oder ein selbstgefälliges Lächeln entfaltet.
Greco spielt den Dichter nicht als ehrwürdiges Denkmal der Literaturgeschichte, sondern als modernen Star in historischem Gewand.

Dieser Shakespeare ist Marke, Mythos und Marketingfachmann in einer Person. Selbst seine Erschöpfung vom eigenen Erfolg wird zur sorgfältig inszenierten Darbietung.

Gerade weil Greco die Eitelkeit der Figur so konsequent ausspielt, bleibt Shakespeare nicht bloß der unsympathische Gegner der Bottom-Brüder. Man erkennt auch den Künstler, der unter dem Zwang steht, seinen eigenen Ruhm immer wieder bestätigen zu müssen. Das verleiht der Karikatur zumindest stellenweise eine unerwartete Tiefe. So witzig, wenn Greco in die Schauspielerrolle mit der Fistelstimme einsteigt – großes Kino!

Nicolas Tenerani versieht Bruder Jeremiah mit religiösem Eifer und herrlich unfreiwilliger Komik. Der strenge Vater von Portia verurteilt Kunst, Theater und körperliche Begierden mit großer Lautstärke, während seine eigene Haltung zunehmend Risse bekommt.

Klaus Brantzen verleiht Shylock Wärme und komödiantisches Profil. Seine große Leidenschaft gilt weniger dem Geld als dem Theater. Ulrich Talle setzt als Lord Clapham und Richter markante Akzente und nutzt auch kleinere Auftritte, um der Produktion zusätzliche Farbe zu geben.

Superstar Shakespeare (Ricardo Grecco) inmitten seiner Anhänger
Foto: ©BHF/Johannes Schembs

Der Motor der Produktion

So wichtig die Hauptrollen sind: Ohne das Ensemble könnte dieser Abend nicht funktionieren. „Something Rotten!“ verlangt pausenlose Präsenz, schnelle Kostümwechsel, präzise Formationen und eine Kondition, die unter den Bedingungen einer Freilichtproduktion besondere Anerkennung verdient.

Die Choreografie von Kim Duddy verbindet Stepptanz, klassische Musicalbewegungen, Showposen und bewusst überzogene Renaissancebilder. Das Ensemble bewegt sich nicht einfach durch die Handlung, sondern wird zu ihrem eigentlichen Motor.

Veronika Hörmann, Janina Steinbach, Natascha Cecilia Hill, Claudia Artner, Hanna Kastner, Davide Venier, Luuk Hartog, Sjoerd Knol, Matthew Levick, Fabian Grimmeisen, Calum Melville, Jelle Wijgergangs und Nicolo Soller übernehmen zahlreiche Rollen und sorgen dafür, dass die Bühne ständig belebt bleibt.

Mich beeindruckt an einer solchen Leistung besonders, wie selbstverständlich sie am Ende aussehen soll. Das Publikum sieht die fertige Bewegung, nicht aber die Probenstunden, die körperliche Anstrengung, die Wege hinter der Bühne und die Geschwindigkeit, mit der Kostüme gewechselt werden müssen.

Besonders begeistert hat mich die Vielseitigkeit der Typen des Ensembles. Vom XXL Ei bis zur kleinen Mittelalterhexe, unglaublich was hier geleistet wurde!

Das wunderbare Ensemble von "Something Rotten!"
Foto: ©BHF/Johannes Schembs

Lustvolles Spiel mit Formen und Bewegungsflächen

Adam Nees Kostüme spielen lustvoll mit Formen und Vorstellungen der Renaissance, ohne sich einer historischen Genauigkeit zu verpflichten. Die Kleidung soll nicht ins Museum, sondern auf eine Musicalbühne. Sie erzählt auf den ersten Blick, wer wichtig sein möchte, wer strenggläubig ist, wer verliebt, wer wohlhabend und wer Teil des großen Theaterwahnsinns ist.

Besonders interessant ist dabei der Wechsel zwischen der vermeintlich historischen Welt und den großen Shownummern. Je weiter sich „Omelett – Das Musical“ entwickelt, desto stärker darf die Ausstattung alle Grenzen des guten Geschmacks hinter sich lassen. Amüsant die Kopfbedeckungen mit Haarkranz und Glatze.

Die Bühne von Andrew D. Edwards steht vor einer Aufgabe, die in Bad Hersfeld jede Produktion lösen muss: Sie muss sich zu einer der mächtigsten Theaterkulissen Deutschlands verhalten. Die Mauern der Stiftsruine besitzen eine solche eigene Wirkung, dass jede eingebaute Szenerie daneben um Aufmerksamkeit kämpfen muss.

Die Bühnenkonstruktion schafft vor allem Bewegungsflächen und ermöglicht schnelle Wechsel. Manchmal wirkt sie in der großen Weite der Ruine etwas klein. Ihre Stärke zeigt sich weniger in monumentaler Größe als in ihrer Bespielbarkeit. Sie gibt den Darstellern und der Choreografie Raum und überlässt den historischen Mauern einen Teil der optischen Wirkung.

Unter der musikalischen Leitung von Christoph Wohlleben entfaltet die Partitur ihren Broadwaycharakter. Sie wechselt zwischen großen Ensemblenummern, romantischen Balladen und musikalischen Parodien. Viele Melodien erzeugen bewusst das Gefühl, sie bereits aus einem anderen Musical zu kennen. Gerade darin liegt der Reiz der Komposition: Sie übernimmt bekannte Muster und setzt sie in einen neuen, häufig komischen Zusammenhang und dieses Orchester klingt vom ersten Ton bis zum Auslass einfach nur opulent und großartig! Selten habe ich so einen schönen Klang auf einer Freilichtbühne erlebt!

Die deutsche Fassung von Roman Hinze und Niklas Wagner hat eine ausgesprochen schwierige Aufgabe zu bewältigen. Wortspiele, Reime und kulturelle Bezüge müssen nicht nur übersetzt werden, sondern auf der Bühne im richtigen Augenblick verständlich sein. Aber diese Übersetzung macht richtig Spaß!

Dass die Bad Hersfelder Festspiele im Jubiläumsjahr „Something Rotten!“ zeigen, ist keineswegs selbstverständlich. Intendantin Elke Hesse und das gesamte Festspielteam vertrauen stattdessen auf eine Produktion, die ihr Publikum zunächst für sich gewinnen muss. Sie setzen auf einen Stoff, der gleichzeitig Theatergeschichte erzählt, Shakespeare parodiert und das Musical feiert. Ein Werk also, das hohe Anforderungen an Sprache, Musik, Choreografie, Ausstattung und Spieltempo stellt.

Auch die Entscheidung, die Aufführung ohne Pause zu spielen, zeugt von Konsequenz. Rund zwei Stunden und zehn Minuten lang muss die Spannung gehalten werden. Für das Ensemble bedeutet dies eine enorme körperliche Leistung, für das Publikum eine hohe Konzentration. Die kompakte Fassung verhindert, dass sich die Handlung in ihren zahlreichen Zitaten verliert.
Die Produktion wirft sich mit voller Kraft in den Humor. Sie vertraut darauf, dass das Publikum folgen wird – auch dann, wenn es nicht jede Anspielung erkennt.

Dieser Mut wurde am 11. August durch ein ausverkauftes Haus und ein ins Genre Musical verliebte Publikum belohnt.
Vielleicht erzählt „Something Rotten!“ bei aller Komik doch etwas sehr Wahres über das Theater: Künstler wissen nie mit Sicherheit, ob ihre nächste Idee ein Meisterwerk oder ein vollständiges Desaster wird. Trotzdem gehen sie auf die Bühne. Sie riskieren das Scheitern, weil ohne dieses Risiko auch kein großer Theatermoment entstehen kann.

Am Ende lautet die Frage daher nicht mehr nur „Sein oder Nichtsein?“. In Bad Hersfeld heißt sie: „Hamlet oder Omelett?“ Die Antwort fällt an diesem Abend erstaunlich leicht.

Manchmal ist ein Omelett genau das, was das Theater braucht.
Hier wurde kein faules Ei gebraten, sondern bestes Musiktheater über alle Gewerke hinweg.

Stefan Huebsch

Something Rotten! - Das Musical

Kreativteam

Musik und Gesangstexte: Wayne Kirkpatrick & Karey Kirkpatrick
Buch: Karey Kirkpatrick & John O’Farrell
Deutsche Fassung: Roman Hinze & Niklas Wagner
Arrangements: Glen Kelly
Orchestration: Larry Hochman

Regie: Matthias Davids
Musikalische Leitung: Christoph Wohlleben
Choreografie: Kim Duddy
Bühnenbild: Andrew D. Edwards
Kostüme: Adam Nee

Besetzung

Shakespeare: Riccardo Greco
Nick Bottom: Christopher Bolam
Nigel Bottom: Benjamin Sommerfeld
Nancy Nostradamus: Gayle Tufts
Bea: Johanna Zett
Portia: Valerie Luksch
Bruder Jeremiah: Nicolas Tenerani
Lord Clapham und Richter: Ulrich Talle
Shylock: Klaus Brantzen

Weiterhin wirken Veronika Hörmann, Janina Steinbach, Natascha Cecilia Hill, Claudia Artner, Hanna Kastner, Davide Venier, Luuk Hartog, Sjoerd Knol, Matthew Levick, Fabian Grimmeisen, Calum Melville, Jelle Wijgergangs und Nicolo Soller in zahlreichen Rollen und im Ensemble mit.